Der neue Club 22 am 9./24. & 25.6. im Theater Sapperlot in Lorsch

Club 22 ist die neue Musikreihe im Theater Sapperlot

 
Club 22 ist die neue Musikreihe im Theater Sapperlot, Sternschnuppen regnen auf unsere Bühne und verbreiten den feinen Nebel bester Musik. Raupen werden endlich wieder zu Schmetterlingen! Lasst die Puppen tanzen, Sapp‘n‘Roll im Club 22

Endlich wieder tanzen, endlich wieder fröhlich sein. Und das alles ohne Tische und Stühle im Theater Sapperlot!

 

Do, 9.6.22 // Game of Jones // Heimspiel der Heppenheimer Combo in Lorsch

Theater Sapperlot | www.sapperlottheater.de | Einlass: 18:00 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr
Karten erhältlich | VVK: 24 Euro / AK: 26 Euro

Die 5 Profimusiker Kevin Jones, Christoph Victor Kaiser, Stephan Ivan Schäfer, Thomas Markowic und Tommy Klein sind Game of Jones. Game of Jones, so der Name der Band rund um den New Yorker Sänger und Gitarristen Kevin David Jones. Den Ursprung findet die Band als Lehrerband der Musikschule Heppenheim. Nach diversen Wechseln hat sich die Band seit dem Coronasommer 2021 nun in der Besetzung Ivan Schäfer, Gitarre; Christoph Kaiser, Bass; Thomas Markowic, Keys und Trompete sowie Tommy Klein an den Drums gefunden und tritt seit dem mit großer Begeisterung seitens des Publikums auf. Die Auswahl der Stücke reicht in die letzten 5 Jahrzehnte zurück und bringt die individuelle Qualität der einzelnen Profimusiker zur Geltung. Songs von Billy Joel, Sting oder Genesis werden von der einzigartigen Stimme von Kevin Jones neu interpretiert. Aber auch soulig, funkiges von Stevie Wonder oder rockige Stücke von den Foo Fighters oder INXS finden sich ebenso in der Setlist von Game of Jones wieder, wie Folk und Country von Supertramp und Van Morrison. So verspricht ein Abend mit Game of Jones auch eine kleine Zeitreise durch die Musikgeschichte der letzten 50 Jahre. 

Besetzung: Kevin Jones (Gesang und Gitarre)
Christoph Victor Kaiser (Bass),
Stephan Ivan Schäfer (Gitarre),
Thomas Markowic (Keys, Back.Vox, Trp.)
Tommy Klein (Drums)
Sparte: Covermusik vom Feinsten.

 

Fr 24.06.22 // Fortuna Ehrenfeld // „Live 2022“

Theater Sapperlot | www.sapperlottheater.de | Einlass: 18:00 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr
Karten erhältlich | VVK: 28 Euro AK: 30 Euro

Fortuna Ehrenfeld ist auch 2022 wieder auf Tour. Wenn die Band um Kreativkopf Martin Bechler zum Konzert einlädt, darfst du nicht fehlen! Schon seit geraumer Zeit begeistert Fortuna Ehrenfeld die deutsche Indie-Pop-Szene. Mit wunderbaren Songs wie "Zwei Himmel" oder "Ein analoges Mädchen" hat sich die Band schnell in die Herzen ihrer Fans gespielt. Auch du solltest dir diese Künstler nicht entgehen lassen. Kaum zu glauben, dass hinter der wunderschönen Musik von Fortuna Ehrenfeld eine einzelne Person steht: Martin Bechler. Der Kölner Musikproduzent, Texter und Komponist startet 2016 mit Mitte Vierzig und im Alleingang mit seinem Debüt-Album "Das Ende der Coolness Vol.2" voll durch. Es folgten ein Vertrag mit dem fast schon legendären Hamburger Musiklabel "Grand Hotel van Cleef" und seine zweite Platte "Hey Sexy". Im Studio kann sich Bechler, der sowohl Texte als auch die Musik selbst schreibt und alle Instrumente einspielt, voll austoben. Bei den Konzerten helfen ihm Jenny Thiele und Paul Leonard Weißert, den mitreißenden Sound auch live auf die Bühne zu bringen. Gemeinsam entführen sie ihr Publikum mit großartigen Texten, wunderbaren Melodien und einer unbeschreiblichen Leichtigkeit aus dem Alltag. Drei Platten, eine EP, ein französischsprachiges Album, hunderte Konzerte: Was Fortuna Ehrenfeld seit 2016 abgeliefert und erreicht haben, ist erstaunlich. Und es gibt einem Hoffnung. Denn eine Welt, in der eine so krude wie selbstbewusste Mischung aus Pop und Poesie, aus Tresen und Tanzfläche, aus Melancholie und angetäuschtem Dachschaden ein Publikum findet, kann so am Arsch dann doch wieder nicht sein. Die Fans des Trios haben sich vermehrt wie die Karnickel im Kölner Blücherpark und das hat sich auch mit der aktuellen Platte „Die Rückkehr zur Normalität“ nicht geändert. Schon mit den Vorgängeralben „Hey Sexy“ und „Helm ab zum Gebet“ sowie den dazugehörigen Tourneen haben Fortuna Ehrenfeld ihr Revier abgesteckt und sich etabliert als Band, die so klingt wie keine andere.
Martin Bechler ist einer der beeindruckendsten und eigenständigsten Texter, die sich auf deutschen Bühnen ans Mikro stellen. Als ob es das Leichteste der Welt wäre, reiht er Marmeladenwörter und Porzellansätze aneinander, pendelt zwischen Bananen, Banalem und Philosophischem und hat in jedem Song mindestens eine Falle eingebaut, die sich genau dann auftut, wenn man denkt, man hätte ihn und seinen lyrischen Shtick durchschaut.
Bechler ist kein Sprachpanscher, sondern ein begnadeter Wortwinzer, der einen Cuvée herstellt aus Zutaten, die sich sonst keiner zusammenzubringen traut. Kein Wunder, dass Fortuna Ehrenfeld ihren eigenen Wein haben.

 

Sa 25.06.22 // Voodoo Jürgens / BUMMERLTOUR 2022

Theater Sapperlot | www.sapperlottheater.de | Einlass: 18:00 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr
Karten erhältlich | VVK: 28 Euro (zzgl. Online Servicegebühr) / AK: 30 Euro

Georg Kreislers „Tauben vergiften“ war gestern – „Heite grob ma Tote aus“, singt Voodoo Jürgens, neuer Star des Wienerlieds. Seine Songs sind kein Austro-Pop, sondern inspiriert vom Milieu der bodenständigen Wirtshäuser, morbide, frech, witzig. Der neue Fixstern am Austro-Pop-Himmel: Rabenschwarzer Humor und tiefster Wiener Dialekt verbunden mit dem Charisma eines beinahe gescheiterten und fünf vor zwölf aus dem Underground nach oben gespülten Hallodris. Schmäh ohne: als Ende 2016 „Ansa Woar“ das Debütalbum von Voodoo Jürgens erschien bekam es durch die Bank Lobeshymnen und Top-Bewertungen; gleichzeitig schrieben wohlwollende Medien wie der Musikexpress im aufmunternden Ton, dass diese Musik nun aber wirklich zu österreichisch, zu raunzend, zu fordernd, letztlich auch zu „leiwand“ sei um von den goldenen Schallplatten der rund um diese Zeit durchstartenden und sehr breitenwirksamen österreichischen Erfolgs-Acts zu träumen. Es kam anders; „Ansa Woar“ stieg – als wohl erstes österreichisches Indie-Album überhaupt – von null auf eins in die Verkaufscharts ein, holte im Rekordtempo Gold-Status und sorgte selbst beim deutschen Nachbarn für volle Hallen und klingelnde Kassen; und das eben ohne Anbiederung an Erfolgsformeln, ohne das Schielen auf Verkaufszahlen und Hörgewohnheiten, sondern durch klassische Mundpropaganda basierend auf dem Charisma eines beinahe gescheiterten und fünf vor zwölf aus dem Underground nach oben gespülten Hallodris.

Der Hype war berechtigt. „Ansa Woar“ entpuppte sich als einer der ganz großen Würfe der österreichischen Pop-Geschichte.

Nach drei Jahren Funkstille ist somit der Hunger nach neuem Voodoo-Material gigantisch; aber auch hinter der langen Wartezeit verbirgt sich keine Berechnung. Voodoo nahm sich die Zeit die es braucht, weil „auf muaß geht gar nix – es muaß sich ergeben“ wie er schlau im gespenstischen „Ohrwaschlkräuler“ postuliert. Inzwischen steht ihm eine fantastisch eingespielte Band zur Seite, eine der besten des Landes, die Ansa Panier. Inzwischen ist er als Songwriter gereift und in die Liga eines Nino Mandl, also in den obersten Olymp kontemporären deutschsprachigen Liedermachertums aufgestiegen. Er ist nun selbstbewusster, klarer und artikulierter; weiß was er kann; das hört man der neuen Platte an. Lässig serviert er Knaller wie den Titelsong (featuring der one and only Jazz Gitti) und „Kumma ned“ (featuring dem one and only Louie Austen), die dem Album zu Beginn auch gleich einen thematischen roten Faden verleihen, der immer wieder locker aufgegriffen wird, sich aber auch gern mal verläuft um ungeschliffenen Juwelen wie „2l Eistee“ ihren Platz zum Strahlen zu geben.

„`S Klane Glückspiel“ gelingt das Kunststück „Ansa Woar“ nochmal zu toppen. Die Deep Cuts sind schöner, die Hymnen auf Underdogs und Scheitern ergreifender, die Hits geiler, der Schmäh schwärzer und das Gesamtwerk homogener, ausgereifter aber auch farbenfroher und dabei zwingender... Bua, wie soll des weitergehen?

David Öllerer ist in Tulln geboren und aufgewachsen. Als er sieben Jahre alt war, trat sein Vater eine Haftstrafe an, was zu einem Bruch zwischen Vater und Sohn führte. Nach Abschluss der Schule begann er eine Lehre als Konditor beim Hofzuckerbäcker Demel, die er jedoch nicht abschloss. Mit 19 wohnte er in Wien. Nachdem er Lehre und Studium abgebrochen hatte, arbeitete er später auf einem Friedhof als Gärtner, da seine Musik zum Leben noch nicht genug abwarf. Öllerer war Mitbegründer und Sänger der leidlich erfolgreichen Garagenrock-Band Die Eternias, einer in der ersten Hälfte der 2000er Jahre entstandenen Britpopband. Seinem englischen Gesang hörte man den österreichischen Akzent deutlich an. Mit ihm wurden zwei Studioalben und eine EP veröffentlicht. Die Mitglieder der Gruppe gaben sich bei der Veröffentlichung eines jeden Albums neue Pseudonyme, Öllerers letzter Künstlername lautete Voodoo Jürgens. Irgendwann wechselte er zur Liedermacherei und zum Dialekt und landete 2016 damit seinen ersten Hit: Heite grob ma Tote aus. 

 

Do 25.08.22 // Dota (Duo)  // Tour 2022

Theater Sapperlot | www.sapperlottheater.de | Einlass: 18:00 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr
Karten erhältlich | VVK: 26 Euro (zzgl. Online Servicegebühr) / AK: 28 Euro

Von der Straßenmusikerin zur Frontfrau und Produzentin – trotz ihrer Karriere singt die „Kleingeldprinzessin“ immer noch überzeugend Klartext. Schon lange hatte Dota Kehr Musik zusammengesucht für den Fall, einmal ausgewählte Stücke vorzustellen. Jetzt hat sich der Wunsch für die 37-Jährige erfüllt, bei Klassik-Pop-et cetera. Kritiker bezeichnen Dota Kehr als eine der besten zeitgenössischen Songschreiberinnen in Deutschland – und mit ihren Liedern zeige sie, dass Klang auch Inhalt verträgt. Gemeint sind ihre politischen, aber auch in Alltagsangelegenheiten oft poetischen Texte. Ungewöhnlich also, dass sie für ihr aktuelles Album fremde Texte vertont hat. Von der Lyrikerin Mascha Kaléko. Und ungewöhnlich auch, dass sie dabei in ganz vielen Duetten zu hören ist. Zum Beispiel mit Max Prosa, Konstantin Wecker oder mit Hannes Wader. Mascha Kaléko habe Kehr durch ein Buch entdeckt. Sie schätze die einfache Sprache der Lyrikerin, die der neuen Sachlichkeit zugerechnet wird. Dota Kehr schreibt die Lieder, singt und spielt Gitarre, Jan Rohrbach spielt E-Gitarre, Janis Görlich ist am Schlagzeug, 2017 ist Patrick Reising dazu gekommen und spielt Keyboards und Syntheziser und seit 2020 ist Alex Binder am Bass mit dabei. Hier sind ein paar Bandfotos und Bilder aus dem Studio von den Aufnahmen zum neuen Album "Wir rufen dich, Galaktika", das am 28.05.2021 erscheinen wird.

Dota fällt ins Herz wie in ein verlassenes Haus. Und füllt es mit Geschichten, mit Kontrapunkten, mit Witz, mit sanften, schlauen, aber auch schonungslosen Texten. Für den „Deutschlandfunk“ ist sie die deutsche Joni Mitchell, für den „Tagesspiegel“ beweist ihre Musik, dass „Klang auch Inhalt verträgt“. Dota singt über all das, was sie umtreibt, beobachtet und hinterfragt. Die deprimierende Entwicklung der Weltpolitik, eine verblichene Liebe, Sexismus, die Leistungsgesellschaft – jedoch immer wieder durchbrochen von einem ironischem Augenzwinkern und lebensfrohen Capriolen. Als Band haben DOTA über die letzten Jahre ihren ganz eigenen Sound zwischen Chanson und Tanzbarkeit entwickelt, und ihre Songschreiberin überzeugt mit Authentizität und Natürlichkeit. Mit anderen Worten: DOTA fällt ins Herz wie in ein verlassenes Haus. Und füllt es mit Geschichten, mit Kontrapunkten, mit Witz, mit sanften, schlauen, aber auch schonungslosen Texten. Die „ZEIT“ schreibt, DOTAs Musik sei „mal wie Trampolinspringen an einem taufrischen Morgen, mal wie Hängemattengammeln an einem Frühlingstag, mal wie Parolenpinseln in einer Mondscheinnacht“. Im April 2020 ist das Album “Kaléko” erschienen, mit Vertonungen von Gedichten der Lyrikerin Mascha Kaléko, die einen Teil des aktuellen Programms bilden. Aber auch ältere Stücke und Songs vom neuesten Album “Wir rufen Dich, Galktika” werden zu hören sein. 

Besetzung:
Dota Kehr: Gesang, Gitarre
Jan Rohrbach: E-Gitarre

 

Sa 27.08.22 // Shantel & Bucovina Club Orkestar // The Disko Partizani Years TOUR 2022

Theater Sapperlot | www.sapperlottheater.de | Einlass: 18:00 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr
Karten erhältlich | VVK: 30 Euro (zzgl. Online Servicegebühr) / AK: 32 Euro

Shantel: Kaum einer versteht den Dancefloor besser und findet intuitiv immer die richtige Antwort als Shantel – egal ob mit seinem Bucovina Club Orkestar oder ganz alleine als DJ.Athen – Frankfurt – Paris – Kingston – Brooklyn – Istanbul – Lorsch!
Kino für die Ohren! Disko, Disko, Partizani ...

Mit seinem kreativen Ansatz Kulturen zu vermischen wurde Shantel weltweit das hörbare Gesicht eines anderen Deutschlands, ist er doch der erste, der hier der Popkultur einen kosmopolitischen Sound einimpfte. Bei ihm ist Migration hör- und tanzbar. Musikalische Preziosen aus Südosteuropa, dem Nahen Osten oder vom Mittelmeer erscheinen in einem neuen, vielschichtigen Kontext, damit wird auch die Kultur, aus der sie entstammen, intuitiv erfahrbar. Seine Methode ist kulturelles Mixing und Sampling: Dinge aus dem Zusammenhang reißen und in einen neuen überführen. Clubkultur als Konzept, das sich permanent weiterentwickelt und nicht als Museum, in dem das ewig Gleiche repetiert wird – wie in Berlin, wo Tausende von Touristen vor dem Berghain warten, um das Vorhersehbare erleben zu dürfen.

Shantel hat seine einzigartige Karriere in den 80ern gestartet. 80er? Da war doch was?
Diese Musik, die gerne auf Themenpartys verhandelt wird... Nein, ganz anders! Die 80er sind hier die Chiffre für das, was alles zu diesem Zeitpunkt möglich war. Punk hatte den Mief des immer inhaltsleereren Glamrock und seine Stereotypen weggefegt und die Köpfe freigemacht. In den frühen 80ern hielt diese frische Brise noch an, bevor es mit dem kommerziellen Ausverkauf der DIY-Ideale sich wieder schloss, der Pop synthetisch wurde und die MTV-Culture übernahm. Einer, der das Spiel schon damals nicht mitmachen wollte, war ebenjener Shantel. Aktiv im Untergrund des Bauchnabels Deutschlands, Frankfurt am Main, betrieb er dort im heute ultra-hippen Bahnhofsviertel einen illegalen Underground-Club, in dem musikalisch alles möglich war und heftig experimentiert wurde. Hier traf sich eine international bunt gemischte Szene aus Kunststudenten, Bohemiens, Langzeitakademikern, jungen Musikern, Immigranten, Schwulen und Lesben und gestrandete Freaks aus aller Herren Länder. Im 3. Stock eines Gründerzeithauses gelegen, zog der Club mit seinem eklektische Ansatz Massen von ebenso abenteuerlustigen Nachtschwärmern und Clubgängern an wie das Licht die Motten. Der Andrang war so groß, dass die Schlange der Wartenden oft bis zum nächsten Häuserblock reichte. Und das, obwohl das Bahnhofsviertel auf Platz eins der deutschen Kriminalitätsstatistik lag. Shantels Devise war: „Vorwärts in alle Richtungen, lasst uns experimentieren und demonstrieren.“ Eine Demo gab es in der Demo- Hauptstadt Deutschlands jeden Samstag. Sounds des Widerstandes und der Vielfalt schallten aus den Lautsprecherwagen: Roots-, Dub-Reggae und Arab-Pop. Dub-Reggae, ein Musikstil, der Shantel sehr beeinflussen sollte, brasilianische Musik, Oriental- und Arab-Pop ebenso. Aber wollen wir hier Stil-Erbsen zählen? Wichtig ist doch viel mehr das, was sich für Shantel aus der Rezeption verschiedenster musikalischer Genres ergab. Er realisierte, dass wann immer ein neuer Stil seine Nase zeigte, er früher oder später statisch wurde und damit langweilig. Man nehme nur das Beispiel Techno – kaum einer weiß heute, dass Frankfurt am Main die Geburtsstube dessen deutscher Ausformung war. Aber auch Techno war nur bedingt Shantels Ding.

Also selber machen, was Neues anfangen, wieder und wieder und wieder. Ab 1986 sahen wir Shantel mit einem griechisch-türkischen Underground-Projekt auf der Bühne. Sie spielten für die griechisch-türkischen Communities in ganz Deutschland den damals schwer angesagten griechischen Outlaw-Blues Rembetiko, und Shantel lieferte die Beats dazu. In seinem Bahnhofsviertel-Club Lissania Essay drehte Shantel die Turntables und mixte Rhythmen sowie Soundfetzen aus dem Sampler dazu. Nordafrika, Brasilien, Jamaika, Elektrobeats, Trip Hop und Jazz in the mix. Ein Song, eine Struktur, ein Rhythmus erreichte die Tanzenden so intensiv, dass ihre Arme hochgingen und die Kehlen Glücksgeheul ausstießen – das war der Ansporn, diesen Moment zu verlängern und das Spaceship Lissania zum Abheben zu bringen. Und bis heute ist es nicht gelandet, denn bis zum heutigen Tag gibt es nicht ein Konzert, nicht eine DJ-Session, die nicht von dem Gefühl befeuert waren, alles zu geben, mit dem Publikum zu verschmelzen und Glückseligkeit in die Gesichter zu zaubern. Kaum einer versteht den Dancefloor besser und findet intuitiv immer die richtige Antwort als Shantel – egal ob mit seinem Bucovina Club Orkestar oder ganz alleine als DJ.

Das Lissania und später der Bucovina Club waren einige der sehr raren Gelegenheiten, bei denen sich unterschiedliche Szenen und Altersgruppen trafen. Sie verband eines: Sie waren neugierig und bereit, sich unerhörten Klängen hinzugeben. Und Shantel war es wichtig, neue Ideen, Verrücktes, Unbekanntes via Musik in diese verkrustete Stadt zu tragen: Ideen, Visionen, die ganz woanders herkamen - Paris, Thessaloniki, Tel Aviv,
Istanbul. Kurz gesagt Shantel und die Szene, die sich um ihn formierte, war kosmopolitisch und am Austausch interessiert. Er war als einer der deutschen Pioniere des sogenannten Freestyle-Clubbing bald weltweit gefragt, spielte an der Seite von MC Solaar, Kruder & Dorfmeister, Gilles Peterson, Massive Attack, Björk und Howie B.
Doch war ihm das genug? Er stellte irgendwann fest, dass auch diese Szene dabei war, sich zu verkrusten bzw. leerzulaufen. Auf einer K7-Labelnacht im New Yorker Limelight Club ließ er frenetische Blechmusik südosteuropäischer Hochzeiten aus den Boxen knallen, was auf dem Tanzboden zu Verwirrung führte. Shantel wäre nicht Shantel, wenn er nicht versucht hätte, diese Situation zu retten und - die Platte noch einmal von vorne zu spielen. Langsam sahen die Partygänger ein, dass sie keine andere Kost serviert bekämen und ließen sich treiben. Schlussendlich: Stampede auf der Tanzfläche.

Shantel entschied sich, auf eine große Reise in seine eigene Familiengeschichte zu gehen, die ihn in die Bucovina, Grenzland zwischen Ukraine und Rumänien brachte. Dort fand er die Musik, die tief in seiner eigenen DNA schlummerte und begann mit ihr zu experimentieren, ging mit den Großen des Genre ins Studio, um seine Vision von einem zeitgenössischen paneuropäischen Sound zu kreieren. Das Schauspiel Frankfurt gab diesem neuen Sound, der sich wie ein Lauffeuer um die ganze Welt verbreitete, eine Bühne. Dass gerade Frankfurt den perfekten Spielboden für seinen Bucovina Club abgab, ist sicher kein Wunder, denn der Hotspot am Main war und ist seit vielen Jahrzehnten die multinationale Metropole der Republik. Interkulturelles Leben und Arbeiten ist hier mit allen Brüchen, Verwerfungen und Schwierigkeiten längst zum prägenden Aspekt des Alltags geworden. Aber auch hier und jetzt bleibt Shantel nicht stehen und räumt mit dem großen Missverständnis auf, er sei der „König des Balkan-Pop“ und er wolle es gar sein, was er in einem Interview mit der BBC anlässlich der Verleihung des BBC-Worldmusic-Awards klarstellte: „Ich habe mit dieser Balkanmusik und diesem Hype eigentlich nichts am Hut. Mir ging es um meine Selbstverwirklichung als Musiker, als Künstler. Deshalb interessieren mich viele Sounds, nicht nur der desBalkans.“

-----------------------------------------
Do, 9.6. Game of jones
Fr., 24.6. Fortuna Ehrenfeld
Sa, 25.6. Vodoo Jürgens
Do, 25.8. Dota (Duo)
Sa, 27.8. Shantel & Bucovina Club Orkestar

Theater Sapperlot

www.sapperlottheater.de 

----------------------------------------